Standpunkte

August 2009

Gegen die Ausweisung des Industriegebiets New Park engagieren sich gemeinsam UWG und die Grünen im Kreis Unna. „New Park macht in der heutigen Zeit einfach keinen Sinn mehr“, so Herbert Goldmann, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Kreistag. Auch die UWG zweifelt daran, ob die Versprechen und Erwartungen, die an das neue Industriegebiet geknüpft werden, einer realistischen Überprüfung Stand halten. Hubert Seier: „Wir müssen nicht die ruinöse Industriepolitik, die uns in die Krise geführt hat, noch mal wiederholen.“ Vielmehr zeige die heutige Zeit, dass insbesondere kleinere mittelständische Unternehmen flexibel reagieren könnten und Arbeitplätze schafften. Aus Sicht der Grünen hätten schon die vergangenen Jahrzehnte deutlich gezeigt, dass Fläche nicht der begrenzende Faktor sei, um Unternehmen anzusiedeln und Arbeitsplätze zu schaffen. Im Gegenteil, je größer die Fläche, um so weniger Arbeitsplätze pro Hektar seien die Regel. Sowohl UWG und Grüne stimmen darin überein, dass von New Park sogar erheblich die Gefahr des Arbeitsplatzabbaus ausgingen. „Wir fürchten zum einen, das gar keine neue Unternehmen mit Arbeitplätzen entstehen, zum anderen, dass sich wenige bereits bestehende Firmen aus dem hiesigen Raum dort ansiedeln, nur um bestimmte Betriebsabläufe zu optimieren, so Goldmann weiter. Das hieße fast immer, dass Arbeitsplätze wegrationalisiert würden. Es mache daher überhaupt keinen Sinn ein Industriegebiet amerikanischer Machart aus dem Boden zu stampfen, völlig am eigentlichen Bedarf vorbei. Insbesondere beunruhige sowohl UWG als auch Grüne, dass sich auf dem Gelände auch stark emmitierende Fabriken ansiedeln können. Damit würden nicht nur wertvolle Naturräume zerstört, sondern Selm auch von einer grünen münsterländischen Stadt zu einem stark belasteten Industriestandort. Gemeinsam haben UWG und Bündnis 90/Die Grünen eine naturschutzpolitische Erklärung verfasst, die ihre Position zu New Park schriftliche niederlegen.


Bündnis 90/Die Grünen im Kreistag Unna

Unabhängige Wählergemeinschaft Selm e.V.

Naturschutzpolitische Erklärung „Selmer Signal“

vom 26. August 2009


Bündnis 90/Die Grünen im Kreistag Unna und Unabhängige Wählergemeinschaft Selm e.V. wenden sich mit dieser 6-Punkte-Erklärung gegen das beabsichtigte Industriegebiet newPark zwischen Selm und Datteln.


1. Der Schutz der natürlichen Lebensräume ist angesichts vieler bereits ausgestorbener und vieler vom Aussterben bedrohter Tier- und Pflanzenarten gleichrangig mit den Interessen weniger Unternehmenseigentümer zu setzen.

2. Freiraum ist eine wertvolle Ressource im Kampf gegen die Klimaerwärmung.

3. Wir fordern aus beiden erstgenannten Gründen einen aktiven Freiraumschutz, um eine nachhaltige Lebensperspektive für die Selmer Bevölkerung und nachkommende Generation zu erhalten.

4. Wir fordern eine Abkehr von der „Flächenfraßpolitik“. Die Wirtschaftsförderung soll sich auf die vorhandenen freien Gewerbeflächen und die Wiederverwendung altindustrieller Flächen beschränken, die im ausreichenden Umfang regional zur Verfügung stehen. Neue Flächen dürfen nur in Anspruch genommen werden, wenn dafür andere Flächen aus der Gewerbegebietsplanung herausgenommen werden.

5. Wir fordern eine stärkere Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen, die wesentlich mehr Arbeitsplätze vorhalten, als flächenintensive Großbetriebe. Kleinbetriebe sind insbesondere durch sogenannte Mikrokredite zu unterstützen, um Investitionen gerade jetzt in der Krise anzustoßen.

6. Angesichts der weltweiten Ernährungskrise fordern wir den Erhalt der landwirtschaftlichen Produktions- und Nutzflächen in den Rieselfeldern. Es ist unverantwortlich zunächst 400 ha als Einstieg, aber letztlich 1000 ha Naturraum und Freiraum, der überwiegend landwirtschaftlich genutzt wird und die damit verbundenen bäuerlichen Existenzen und Arbeitsplätze in der Landwirtschaft zu vernichten.

Herbert Goldmann
Fraktionsvorsitzender Fraktionsvorsitzende
Bündnis 90/Die Grünen im Kreistag Unna

Maria Lipke
Fraktionsvorsitzende
Unabhängige Wählergemeinschaft Selm e.V.

 

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