Standpunkte

Dezember 2002:

Presseerklärung zur Klausurtagung der UWG Selm e.V. vom 1.12.2002

In einer Klausurtagung am 1.12.2002 beschäftigte sich die UWG Selm mit dem Bereich „Kinder und Jugendliche in Selm“. Schwerpunktmässig wurde diesmal der Vorschul- und Grundschulbereich thematisiert, wobei weitere familienpoliti-sche Themen folgen werden.
Grundlage dazu war einerseits die PISA-Studie, aber auch die neuesten Untersu-chungen von UNICEF, TIMMS und die Empfehlungen des Forums Bildung.
Die unbestrittene Handlungsnotwendigkeit für kurz- mittel- und langfristige Maßnahmen ist für die UWG-Mitglieder derart wichtig, dass die UWG den Be-schluss fasste, neben dem traditionell, ökologischen Schwerpunkt, einen weite-ren, besonderen Schwerpunkt aus ihrem Programm in nächster Zeit verstärkt in die kommunalpolitische Diskussion einzubringen: Die Belange der Kinder, Ju-gendlichen und Familien.
Die Erkenntnisse bei all den oben genannten Untersuchungen zeigen eindeutig, dass in Deutschland dringender Handlungsbedarf für eine umfängliche Bil-dungsreform besteht. Ein Bildungssystem, in dem die Schüler nicht einmal im Mittelfeld liegen, sondern im unteren Drittel angesiedelt sind, schreit nach No-vellierung. Es muss etwas geschehen, auch die Städte und Gemeinden sind ge-fordert, da eine qualifizierte Bildungsreform nur unter Beteiligung der Basis stattfinden wird.
Als kurzfristige Maßnahme wird die UWG-Fraktion beantragen, einen übergrei-fenden Arbeitskreis einzurichten, um die Erkenntnisse aus der PISA-Studie vor Ort zu diskutieren und die Pläne und Konsequenzen der Landesregierung kri-tisch zu begleiten.
Allerdings wird in Selm schon einiges im „Sinne von PISA“ getan. Neben ei-nem umfangreichen Schulangebot wird auch vor- und ausserschulisch sehr viel mehr geleistet als in anderen Kommunen. Zu verdanken haben wir diese positive Situation vor allem dem Engagement mehrerer Elterninitiativen. Seit mehr als 10 Jahren wird in Selm überdurchschnittliche, ehrenamtliche Arbeit interessier-ter und engagierter Eltern geleistet, die sich für das schwächste - und zugleich aber auch das wichtigste Glied - in unserer Gesellschaft stark machen und tat-kräftig einsetzen. Eine wichtige hier zu nennende Initiative sind die „Kleinen Strolche“, weil sie dort ansetzen, wo es nach Expertenmeinung besonders wich-tig ist, nämlich in der frühkindlichen Entwicklungsphase. Daneben existiert das für Selm so wichtige Kindernetzwerk, dass den heutigen Plänen der Landesre-gierung bereits einen Schritt voraus ist, weil es seit Jahren in Selm ein Betreu-ungsangebot für Schulkinder über Mittag und am Nachmittag eingerichtet hat und dabei nicht nur auf Betreuung sondern auch auf Förderung ausgerichtet ist.
Weiterhin unterhalten inzwischen alle Schulen Fördervereine, in denen unter anderem Betreuungs- und Erziehungsarbeit geleistet wird.
Diese Einrichtungen und Vereine müssen seitens der Kommunalpolitik -ohne wenn und aber - intensivst unterstützt werden. Nicht auszudenken, wenn z.B. Die Kleinen Strolche oder das Kindernetzwerk sich auflösen, nur weil die Stadt nicht bereit ist, ihnen finanzielle Sicherheit vertraglich zuzugestehen. Ähnliches gilt auch für die Waldschule Cappenberg, in der zwar eine hervorragende päd-agogische Arbeit vollbracht wird, die aber auch jetzt erneut um eine Vertrags-verlängerung kämpft. Als vordringliche Maßnahme wird die UWG-Fraktion diese Verträge anfordern.

Auch das zur Zeit in aller Munde befindliche Thema PISA wurde von einer El-terninitiative (in diesem Falle von den Eltern der „Villa Kunterbunt e.V.“) im Frühjahr diesen Jahres mit der Forderung in die Politik getragen, die zuständigen Gremien mögen sich dieses wichtige Thema zu eigen machen. Jetzt müssten die Chancen genutzt werden, diejenigen zu unterstützen, die bereits seit Jahren eine unverzichtbare Bereicherung in der kommunalpolitischen Familienpolitik dar-stellen.
Es muss in Selm endlich Schluss damit sein, dass engagierte Eltern Jahr für Jahr als Bittsteller auftreten, Zeit und Kraft aufbringen müssen, um etwas zu errei-chen, wofür sich der Rat der Stadt und auch die Aufsichtsbehörden eigentlich gar nicht genug bedanken können. Schließlich ersparen diese Elterninitiativen der Stadt zahlreiche Kinderbetreuungsplätze und so manche berufstätige Mutter wäre auf Sozialhilfe angewiesen, wenn ihr Kind nicht von diesen Einrichtungen qualifiziert betreut würde.

Fazit der UWG-Klausurtagung:
Eltern müssen ernst genommen und nicht mit ihren Problemen allein gelassen werden. Die UWG wird deshalb dieses wichtige bildungspolitische Thema in-tensivst in die kommunalpolitischen Entscheidungsgremien hereintragen und sich als Sprachrohr für die engagierten Eltern anbieten.

Peter Gehrmann Maria Lipke
1.Vorsitzender UWG Selm e.V Vorsitzende UWG-Fraktion

 

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