Standpunkte
November 2010


Resolution


des Rates der Stadt Selm
zu den „Atomtransporten“ durch Selm
an die Landesregierung NRW


Der Rat der Stadt Selm fordert die Landesregierung NRW auf, einen sofortigen Stopp der Atomtransporte für NRW zu verhängen, und schnellstmöglich dafür zu sorgen, dass es keine neuen Atomtransporte durch das Stadtgebiet von Selm geben wird.

Begründung:
Die Stadt Selm liegt, mit drei Haltpunkten an der Bahnlinie Jülich-Ahaus, die gleiche Bahnlinie, (Dortmund-Enschede) die auch zur Urananreicherungsanlage Gronau führt.
Seit 1973 wandern Transportbehälter in die deutschen Zwischenlager Ahaus/Gorleben oder werden in die Wiederaufarbeitungsanlagen in Frankreich und England gebracht und von dort wieder zurück nach Deutschland. Viele dieser Castoren wurden über den Schienenweg über Selm nach Ahaus transportiert. Bis zum Ende der Transportgenehmigung am 30. Juni 2005 waren es insgesamt etwa 2.000 Transporte. Dem Atomkonsens folgend wurden dann standortnahe Zwischenlager neben den AKW errichtet und damit Castor-Transporte aus den AKW (auch durch unser Stadtgebiet) auf null reduziert.
Das soll sich jetzt wieder ändern:
In den kommenden Wochen und Monaten sollen 18 Castorbehälter mit plutoniumhaltigen Brennstäben aus Ahaus, in die russische Plutoniumfabrik Majak transportiert werden. Sie stammen aus dem sächsischen Forschungsreaktor Rossendorf. Sie sollen anschließend über einen Ostseehafen nach Russland verschifft werden, nach Majak, einer der meistverstrahlten Regionen der Welt.
Der Rücktransport nach Russland. Das ist nur der Anfang - hunderte weitere Transporte drohen in den nächsten Jahren. Ein erster Atommüllzug mit elf Castorbehältern startet Anfang November in Frankreich, Ziel der Fuhre ist das Zwischenlager Gorleben (Niedersachsen). Nach Ahaus, über die Bahnstrecke in Selm, sollen in den kommenden Monaten Transporte mit hoch radioaktivem Müll aus dem 180 Kilometer entfernten Forschungszentrum Jülich rollen. Ein weiterer Castortransport fährt kurz vor Weihnachten ins Zwischenlager Lubmin (Vorpommern).
Durch die geplante Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke kämen weitere zusätzlich 5000 Tonnen hoch radioaktiven Atommülls oder mehr als 500 Cas
torbehälter für alle Zwischenlager dazu. Das würde für Selm an zwei Tagen pro Woche einen Castortransport bedeuten.

Die Castoren sollen bis zu 40 Jahre im Zwischenlager bleiben. Danach soll der Müll in ein Endlager kommen, das es bislang aber nicht gibt.
Castor-Transporte stellen ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar, weil die Atommüllbehälter bei einem schweren Unfall so stark beschädigt werden können, dass es zu einer radioaktiven Verseuchung der Umgebung kommt. Sicherheitstests werden zwar durchgeführt, allerdings nicht mit allen verwendeten Castor-Typen. Die getesteten Castoren halten einen Sturz aus neun Meter Höhe aus, bei einem Unglück, auf einer der vielen deutlich höheren Brücken, könnten sie leicht zu Bruch gehen.

Zudem wird die Hitzebeständigkeit der Castoren nur bei einem Feuertest mit 800 Grad Celsius über eine Dauer von 30 Minuten geprüft, während bei Zugunglücken Brandentwicklungen mit Temperaturen bis zu 2.000 Grad Celsius denkbar sind. Realistische Szenarios werden schlicht ignoriert. Ebenso stillschweigend übergangen wird von Seiten der Verantwortlichen die Tatsache, dass auch Castoren zu einer Zielscheibe terroristischer Angriffe werden könnten. In allen Fällen ist mit erheblichen Strahlenbelastungen zu rechne
Neben der Unfallgefahr gehen von den Castor-Transporten Gesundheitsrisiken aus. Insbesondere die Gefahren der Neutronenstrahlung, die die Behälter-Hülle durchdringt, wurden jahrelang unterschätzt. Das Begleitpersonal ist daher bei jedem Transport einem weitaus höheren Risiko ausgesetzt als lange Zeit angenommen wurde. Als im Frühjahr 1998 radioaktive Teilchen an der Außenhülle eines Behälters festgestellt wurden und die zulässigen Kontaminationsgrenzwerte um das 4.350fache überschritten wurden, verhängte die damalige Umweltministerin Angela Merkel einen Transportstopp. Dieser wurde jedoch im Januar 2000 von der Bundesregierung wieder aufgehoben, obwohl die Ursachen der Grenzwertüberschreitungen nie geklärt wurden.
Wir fordern daher von den Grünen und SPD ein schnelles Eingreifen auf Landesebene, dass die Transporte gestoppt werden.
Auch die rund 400 Züge mit Uranhexaflorid jährlich, von und zur Urananreicherungsanlage Gronau, die ebenfalls praktisch täglich durch Selm gehen, müssen beendet werden.


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